Zudem gibt es oft auch Sorgen in der Bevölkerung, Geothermie könnte Erdbeben auslösen. Tatsächlich haben einzelne Projekte, wie etwa in Basel, seismische Reaktionen ausgelöst, weil zum Beispiel zu hoher Wasserdruck eingesetzt wurde und Mindestabstände nicht eingehalten wurden. In der Branche heißt es, man habe aus den Fehlern der Anfangszeit gelernt und verweist auf eine Studie des Bundesamtes für Geowissenschaften und Rohstoffe, derzufolge Tiefen-Geothermie das Erdbebenrisiko nicht nennenswert erhöht.
Grundsätzlich hat Geothermie gegenüber den anderen erneuerbaren Energien unschlagbare Vorteile. Der wichtigste: Bei der Geothermie handelt es sich um die seltene Spezies einer “grundlastfähigen” Ökostromquelle. Anders als Solar- und Windkraftanlagen arbeiten Erdwärmekraftwerke unterbrechungsfrei rund um die Uhr und völlig unabhängig von der Wetterlage. Für die Stabilität der Stromnetze leisten sie damit einen unschätzbaren Beitrag.
Gut für die Konjunktur ist sie auch. “Wir leben von der Geothermie. Und wir leben gut von ihr”, sagt Loris Martignoni. Der 64-Jährige ist seit 2009 Bürgermeister der Gemeinde Pomarance, zu der Larderello gehört: Die Energiekosten der Bürger seien dank der Geothermie um 30 Prozent gefallen.
Allerdings ist Geothermie nicht überall profitabel. Ob sie erschlossen werden kann, hängt davon ab, ob und in welcher Tiefe sich genügend Wärme findet. Italien ist in dieser Hinsicht gesegnet. Energie von hoher Temperatur ballt sich in der Toskana relativ nahe an der Erdoberfläche. In Deutschland versprechen insbesondere das sogenannte süddeutsche Molassebecken und der Rheingraben viel heißes Wasser im Untergrund. Die Temperaturen im Norddeutschen Becken sind etwas geringer, sodass dort meist nur die oberflächennahe Geothermie etwa zum Betrieb von Wärmepumpen genutzt wird.
Massimo Montemaggi, Leiter Geothermie für Enel Green Power in Italien, sieht gute Voraussetzungen für mehr geothermische Stromerzeugung in Bayern. Das Projektrisiko schätzt er hier allenfalls moderat ein: “Das bayrische Terrain ist weiträumig”, sagt er.”Wenn die technischen und wirtschaftlichen Bedingungen gleich bleiben, dann könnten weitere Projekte folgen.”