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Brexit ist für die EU ein klimapolitischer Albtraum

           
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Als die Briten Ende vergangener Woche ihren EU-Ausstieg beschlossen, sackten die Kurse aller betroffenen Währungen und Aktienindizes in den Keller. Den größten Preissturz aller Anlagenklassen verzeichnete allerdings ein Wertpapier, das nur wenig im Fokus der Öffentlichkeit steht: Die Verschmutzungsrechte für Kohlendioxidemissionen.

Der Besitz eines solchen, frei handelbaren Gutscheins berechtigt die Betreiber von Kraftwerken und Industriebetrieben zum Ausstoß einer Tonne Kohlenstoffdioxids (CO2) in die Atmosphäre. Ende vergangenen Jahres kostete es die Unternehmen noch rund neun Euro, wenn sie mit einer solchen Menge Treibhausgas zur Erderwärmung beitrugen.

Am Freitag nach dem Brexit-Entscheid jedoch waren Klimasünden plötzlich so billig wie seit Jahren nicht mehr. Der Börsenpreis für ein CO2-Zertifikat gab fast schlagartig um 17 Prozent nach: Es war der größte Preisverfall im Europäischen Emissionshandelssystem seit 27 Monaten. Aktuell kostet es die Industrie nur noch schlappe 4,94 Euro, eine Tonne Treibhausgas durch den Schlot zu jagen.

Dass die Panik am CO2-Markt seit Freitag größer ist als am Aktien- oder Ölmarkt, hat gute Gründe: Der Europäische Emissionshandel ist das zentrale Klimaschutzinstrument der Europäischen Union. Steigen die Briten aber aus der EU aus, steigen sie damit womöglich auch aus dem Emissionshandel aus. Hunderte britischer Kraftwerksbetreiber und Industriebetriebe könnten dann ihre CO2Berechtigungen auf den Markt werfen – sie bräuchten sie ja nicht mehr.

Latente Kritik aus der Politik

Da Großbritannien nach Deutschland der zweitgrößte Treibhausgasemittent in der Europäischen Union ist, würden die CO2-Preise unter einer wahren Flut überzähliger Berechtigungsscheine kollabieren. Für Industriebetriebe in ganz Europa gäbe es danach kaum noch einen finanziellen Anreiz, in CO2-sparende Effizienztechniken zu investieren: Der Kauf britischer Emissionsberechtigungen zum Schnäppchenpreis käme sie ja billiger. Die latente Kritik aus der Politik am einzigen marktwirtschaftlichen Klimaschutzinstrument würde sich verstärken. Staatsgläubige Ordnungspolitiker, die lieber auf Verbote, Vorschriften und höhere Steuern setzen, bekämen Oberwasser.

Deutschland muss erneuerbare Stromproduktion verdoppeln

Deutsche Klimaschützer suchten noch am Wochenende Trost in der Möglichkeit, dass Großbritannien zwar aus der EU austritt, trotzdem aber Mitglied des Europäischen Emissionshandelssystems bleibt. Norwegen, Island und Liechtenstein sind ja auch keine EU-Mitglieder und machen trotzdem beim Emissionshandel mit.

“Großbritannien bleibt vorerst Mitglied des Europäischen Emissionshandels”, erklärte der Sprecher von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) auf Nachfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg: “Was danach kommt, bleibt abzuwarten.” Grundsätzlich scheine es “für Nicht-EUMitglieder nicht unmöglich zu sein, am Emissionshandel teilzunehmen, wie das Beispiel Norwegen zeigt.”


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